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Wie geht’s Ihnen?

 Diese Frage im Alltag wirkt auf den ersten Blick freundlich und verbindlich. Da ist jemand, der sich für mich interessiert – dafür, wie es mir gerade geht. Doch meine Erfahrung lehrt mich, dass der oder die Fragende meist kein wirkliches Interesse an meinem gegenwärtigen Befinden hat. Es ist eine Floskel, und es wird nur ein „gut“ oder ähnlich positives Wort erwartet. Aber sobald ich mit einer Antwort zögere – vielleicht kommt da doch etwas Problematisches hervor, mit dem sich irgendwie auseinandergesetzt werden muss – erlischt meist das vermeintliche Interesse. Da bleibt man lieber unverbindlich.

Der Monatsspruch für Oktober lautet: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken“ (Hebräer 10,24).
Dieser Satz strahlt Verbindlichkeit aus. Ich denke, er steht in der Bibel, weil die Menschen früher auch nicht viel anders waren als wir heute. Und deshalb gilt die Aufforderung auch uns in unserer Zeit. Weil es auf diesem Gebiet zu allen Zeiten zu „klemmen“ scheint.
Wie ist es nun heute unter Christen, in unserer Gemeinde? Da gibt es Familien, Alleinstehende, Junge und Alte, Einsame, Verzweifelte, Selbstsichere und Verzagte und Menschen, die vielleicht mehr Fragen zu ihrem Glauben haben als Antworten - Menschen, die nicht klar kommen mit Ihrem Leben. Wie nehmen wir einander wahr, und wie nehmen wir uns gegenseitig an? Sind wir authentisch und geben uns auch mal ungeschützt preis unter unseren Geschwistern. Oder halten wir uns lieber bedeckt? Interessiert es uns, wie es dem oder der Anderen wirklich geht? Nehmen wir wahr, wenn jemand einsam und allein in einer Bankreihe im Gottesdienst sitzt, oder reden wir nach einem Gottesdienst stets nur mit unserer Gruppe vertrauter Personen? Oder wie gehen wir mit Kritik um, wen habe ich vielleicht mit meinen Worten verletzt, und er leidet darunter? Es wird ganz oft hinterrücks geredet. In unserer kälter werdenden Gesellschaft sollte es jedoch gerade bei uns anders sein. Jesus lebte uns vor, wie wir miteinander umgehen sollen.
Unser aller Auftrag ist daher schon immer: „Lasset uns wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus“ (Epheser 4,15).
Und halten wir es mit den Versen aus EG 235,3f: „Wir kennen dein Gebot, einander beizustehn, und können oft nur uns und unsre Nöte sehn. O Herr, nimm unsre Schuld, die Dinge, die uns binden, und hilf, dass wir durch dich den Weg zum Andern finden.“
Haben wir aufeinander acht. Wir haben Verantwortung füreinander und für unsere Welt - menschlich und geistlich. Und das Anspornen zur Liebe und zu guten Werken liegt allein in der Verbindlichkeit gegenüber unserem himmlischen Vater begründet.
In diesem Sinne lasst uns aufmerksam sein – und handeln.

Roland Lämmel