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...schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir sich ausgeschmücket haben.

Paul Gerhard hatte nichts zu lachen, doch er hat Texte geschrieben, die es in sich haben. In einem seiner bekanntesten Lieder redet er von der Freude. Er, der den schlimmen und elend langen 30-jähriger Krieg und so viel Leid erlebt hat, lädt ein, zum Staunen: über die Blumen, die Wälder, die Berge, die Täler, die Tiere, den Sommer.

In einem der längsten Lieder in unserem evangelischen Gesangbuch (EG 503, 15 Strophen) lobt er Gottes Schöpfung. Und er ermutigt dazu, sich auf die Suche zu machen. Die Frage ist tatsächlich: Was suche ich? Suche ich die Fehler, das Haar in der Suppe, die Macken? Freude will sich finden lassen. Aber dazu müssen wir auf die Suche gehen. Nicht immer nur das Negative rauspicken, „ist ja alles schön und gut, aber …!“ und dann kommt die Kritik. Wie schnell bin ich beim „ja, aber …“? Dabei mache ich mir das Leben doch nur schwer. Sicher gibt es Momente, die sind nicht schön. Es gibt Dinge, die mich ärgern, wütend machen, auf die Palme bringen. Aber dadurch darf ich mir noch lange nicht mein Leben miesmachen lassen und schon gar nicht die vielen schönen Dinge, die Gott mir anvertraut. Im Monatsspruch für den Monat August bringt es der Psalmbeter staunend auf den Punkt: „Wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele.“ (Psalm 139, 14) Wir sind eingeladen zum Staunen.

Und wenn es uns schwerfällt, das Gute zu sehen, dann können wir darum bitten, dass Gott uns den richtigen Blick schenkt, tiefer und weiterzusehen. Die letzten drei Verse des Liedes sind Bitten. Ein wichtiges, sehr persönliche Anliegen findet sich in Vers 14. Auch hier verwendet Paul Gerhard wieder ein Bild aus der Natur und wir dürfen mit einstimmen in dieses Gebet: Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben.

Eine gesegnete und behütete Sommerzeit wünscht Ihnen und euch

Ihr/euer Pfarrer Andreas Hermsdor