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Er ist mir immer wieder begegnet, der Thorwaldsen-Christus. Zuerst, als ich noch jung war, ziemlich klein im Arbeitszimmer meines Onkels, zuletzt im Sommer auf dem Regensburger Friedhof ganz groß.

ThorvaldsenChristusRegensburgDas Original des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen steht seit 1838 in Kopenhagen. Seine Darstellung erlangte in ganz Europa Berühmtheit und wurde immer wieder kopiert. Christus segnet die zurückbleibenden Jünger, seine Freunde und Mitarbeiter (Lukas 24, 50-52). Er wendet Ihnen seine offenen Hände zu, gezeichnet von den Nägelmalen. Diese Hände scheinen leer zu sein. Und doch halten sie so viel für uns bereit. Sicher kann man fragen, was nützt mir eine in Stein gemeißelte alte Plastik? Wie oft stehen wir selbst mit leeren Händen da, fehlen uns die Worte, sind wir mit unserer Weisheit, mit unserer Kraft mit unseren Plänen am Ende? Doch da ist einer, der kennt uns und sieht uns, gerade dort, wo wir nicht weiterwissen. Wo Angst und Trauer, Unsicherheit und Frust sich breit machen. Er sieht uns. Er kennt uns. Er kommt und sagt uns seine Hilfe und Fürsorge zu.

Für mich steckt in dieser alten Darstellung eine große Zusage drin. Dieser segnende Christus, der eben gerade auch auf Friedhöfen zu finden ist, erinnert mich daran, dass da einer ist, der mich nicht vergessen hat. Der auch die nicht vergisst, auf deren Grabsteinen der doch eher fragliche Satz „Ewig unvergessen“ steht. Die Narben in den Händen von Jesus zeigen mir, dass ihm kein menschliches Leid, selbst der Tod nichts Fremdes sind. Er hat längst schon durchlitten, was uns jetzt noch zu schaffen macht. Seine offenen Hände laden uns ein, uns zu ihm zu flüchten. Was die Zukunft auch bringt. Er ist unser Zufluchtsort. Wir können wie Petrus auf sein Angebot eingehen und antworten: „Herr wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ (Johannes 6, 68)
Es ist der tröstende Christus, zu dem wir fliehen können, wenn wir nicht weiter wissen, wenn wir völlig am Ende sind. Er hat es versprochen: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.“ (Matthäus 28, 20) Dies gilt für Zeit und Ewigkeit.
Ich wünsche Ihnen und euch in dieser unruhigen Zeit Begegnungen mit ihm, dem lebendigen und tröstenden Christus.

Ihr/euer Pfarrer Andreas Hermsdorf