Logo der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Schönau-Reichenbrand

Eine vielfache Schnur und ein neuer Schnittmusterbogen

 „Das geht ja wie am Schnürchen“, oder doch eher „wie am laufenden Band“? Denkste! Im Gegenteil! Genau das Gegenteil ist oft der Fall. Es geht eben nicht so einfach. Auch in unseren Gemeinden. Da geht nichts wie von selbst. Und jetzt sollen und müssen wir uns zusammenrappeln, gemeinsam Sache machen.

Haben wir nicht schon genug an der Backe? Gemeindlich und auch ganz persönlich? Zusammen wachsen, zusammen glauben, miteinander leben, und nicht aneinander vorbei, wie kann das gehen? Dazu braucht es unsere Entscheidung, unser Herz. Hier kann uns der Prediger des Alten Testamentes auf die Sprünge helfen.
Im Buch Kohelet, im ersten Teil der Bibel, finden wir viele Ratschläge und einer knüpft es gut zusammen:
„So ist es ja besser zu zweit als allein. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm der andere auf. Weh dem, der allein ist, wenn er fällt. Dann ist keiner da, der ihm aufhilft…Einer mag überwältigt werden, aber zwei können widerstehen, und eine dreifache Schnur reißt so nicht leicht entzwei.“ (Prediger 4, 12)
Nun sind wir nicht nur drei, sondern gleich sechs Gemeinden im Schwesterkirchverbund Chemnitz-West. Doch wenn wir ganz zurückgehen in der Kirchengeschichte, wenn wir uns die Berichte im Neuen Testament anschauen, dann wird schnell klar: es war eine kleine Gruppe von Leuten, die sich von Jesus haben begeistern lassen. Die ihm nachgefolgt sind, radikal, ohne Kompromisse, einfach so. Sie haben gemerkt: Gemeinsam und mit ihm, diesem Jesus, sind wir stark. Das ist eine wichtige Erkenntnis. Sie bleibt allerdings schöne Theorie, wenn wir es nicht ausprobieren. Wenn wir nicht gemeinsame Sache machen, an dieser Schnur dranbleiben und unsere Farben, Gaben und Begabungen, unsere Biografie und Geschichte, unseren Glauben einbringen, das Gemeinsame suchen und nicht das Trennende.
Ich bin bei Paulus auf einen Satz gestoßen, der es in sich hat.
„Das Wichtigste ist die Liebe. Sie ist das Band, das uns alle in vollkommener Einheit verbindet.“ (Kolosserbrief Kap 3, 14)
Die Liebe als Band der Vollkommenheit, wir sollen sie anziehen, wie ein gutes Kleidungsstück. Das passt, denn wir sind eben nicht vollkommen. Und dort, wo uns die Liebe fehlt, passiert gar nicht. Liebe kann man nicht machen. Aber ich will sie mir schenken lassen. Den liebevollen Blick für den anderen neben mir. Für die Leute von Jesus, die ihren Glauben in der Nachbargemeinde ganz unterschiedlich aber mit viel Treue leben.
Die Strukturveränderungen in unserer Kirche und in unserer Region sind drastisch und nicht einfach so wegzustecken. Es geht eben nicht wie am Schnürchen und auch nicht wie am laufenden Band.
Wenn wir ehrlich sind, fällt es uns schwer, umzudenken, Neues zu wagen. Aber nur zu jammern und zu klagen, bringt uns auch nicht weiter. Wer nur zurückblickt, ist nicht geschickt zum Reich Gottes.
Trotzdem dürfen wir anknüpfen an das, was Generationen vor uns geglaubt und gelebt haben.
Seit Pfingsten haben wir eine neue Zusage. Jesus hat es versprochen: Durch seinen guten Heiligen Geist ist er heute mitten unter uns. Er will uns inspirieren, wenn uns die Ideen fehlen, wie Gemeindeleben in Zukunft gehen kann. Er will uns trösten, dort wo wir Verluste beklagen, loslassen müssen. Aber er macht uns vor allem Mut, mit seiner Gegenwart zu rechnen, bei jedem neuen Schritt. Voraussetzung: Wir lassen ihn ran. Wir lassen ihn den Schnittmusterbogen unseres Lebens und unserer Gemeinden bestimmen. Er in uns und wir in ihm. „Denn in ihm leben und weben und sind wir.“ So sagt es Paulus auf dem Markt der Möglichkeiten in Athen. (Apostelgeschichte 17, 28a)
Nur so kann es gelingen, dass Gemeinde weiter gebaut wird, dass wir behutsam zusammenwachsen, sorgsam und barmherzig miteinander umgehen, gerade in dieser schwierigen Zeit.
Gegen alle Lieblosigkeit, Besserwisserei und allen Egoismus uns nicht weiter auseinanderdividieren, sondern die Fäden zusammenführen. Erst dann kommt etwas Wunderbares dabei raus.
Und dort, wo Gottes Geist mittendrin ist, wird es möglich, dass er unsere verschiedenen Farben, Gaben und Begabungen auch für andere zum Leuchten bringt.
Auszug aus der Predigt zum VerschwesterungsGottesdienst
Chemnitz-West Pfingstmontag 2021
Pfr. Andreas Hermsdorf