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Pfingsten vor rund 2000 Jahren – Das Unvorstellbare geschah: Gott gab seinen Geist allen Nachfolgern von Jesus Christus. In der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor, bekamen diese besondere Gabe nur wenige Auserwählte und dann oft nur in besonderen Situationen. So wären die Prophetien des Jesaja ohne den Geist Gottes nur menschliche Wahrsagerei. Beseelt vom Geist Gottes konnte Jesaja mächtige und ewig wahre Worte sprechen. Diese mächtige Gabe ist uns von Gott durch den Glauben an Tod und Auferstehung seines Sohnes zuteil geworden. Dadurch kann jeder Gläubige im Gebet direkt mit Gott in Verbindung treten. Wir können Gottes mächtige Stimme in uns hören. Gott spricht aber leise. Er drängt sich nicht auf. Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt. Wir müssen schon zuhören. Dies ist in Trubel und Hektik des Alltags oft nicht einfach. Während ich diese Zeilen schreibe, im Mai 2020, habe ich das Gefühl, dass die Welt den Atem anhält. Vieles ist anders und unsicher. Wir hören von Leid und Elend, von Unsicherheit und finanziellen Problemen. Viele gewohnte Aktivitäten sind plötzlich nicht mehr möglich. Der Alltag strukturiert sich neu. Vielleicht kann der eine oder andere das Mehr an freier Zeit für innere Einkehr und das verstärkte Hören auf Gottes Geist
nutzen.

Doch was ist das für ein Geist? Paulus sagt Timotheus in unserem Bibelvers was er nicht ist: ein Geist der Furcht! All die Ängste und Hoffnungslosigkeiten, welche in diesen Tagen zu spüren sind, kommen nicht von Gott. Wir müssen vorsichtig sein, auf wen wir hören. Plötzlich gibt es viele neue Propheten, die in den neuen Medien ihre Meinung ungebremst verbreiten. Natürlich müssen wir die realen Gefahren ernst nehmen und verantwortlich handeln.

Aber Panik und Aufruhr ist sicherlich nicht angebracht, haben wir doch einen Geist der Kraft. Ich finde es immer wieder ermutigend, dass wir die Waffenrüstung Gottes anziehen und sein Schwert benutzen können. Auch wenn dies sicherlich symbolisch gemeint ist, gibt uns die Bibel Schutz und Verteidigung gegen das Böse. In Gottes Wort finden wir Zuspruch und Antworten. Dies kann uns stärken und kräftigen in schwierigen Zeiten. Jesus sagt: „Lass dir an meiner Gnade genügen – meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Kraft in aller Kraftlosigkeit, in den täglichen Niederlagen, in unserem Versagen – das möchte Gott uns geben. Das kann uns Mut machen und uns wieder nach vorne bringen.
Wenn wir jetzt in den Kampf ziehen wollen, gegen das Böse, sollen wir dies mit dem Geist der Liebe und Besonnenheit tun. Zuerst ist also Zurückhaltung und Nachdenken gefragt. Hier muss ich an die Bändchen denken, mit der Losung „Was würde Jesus tun?“. Jesus Antrieb ist in erster Linie die Liebe zu uns Menschen. Im Hohelied der Liebe heißt es: „Die Liebe ist geduldig, prahlt nicht, ist taktvoll, lässt sich nicht zum Zorn reizen, freut sich an der Wahrheit.“ Und nicht nur das. Am Ende heißt es: „Die Liebe erträgt alles, glaubt  alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf!“
Wahrscheinlich wird die Zeit für viele von uns nicht leicht. Der erzwungene Abstand führt zu Distanz, darf aber nicht in eine innere Abschottung führen. Vielmehr sollten wir alle Möglichkeiten nutzen, um Nächstenliebe zu praktizieren und die Last der anderen mit zu tragen. Der Geist Gottes will uns den Weg zeigen, wie wir besonnen die richtigen Dinge tun oder lassen.


Karsten Strauß

 

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