Logo der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Schönau-Reichenbrand

Herbst
Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.
Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.
Rainer Maria Rilke

 

Endlichkeit
Das Kirchenjahr geht zu Ende. Die letzten Wochen im Herbst erinnern an die Vergänglichkeit des Lebens. Besonders der November, wenn es kalt und rau wird, die Blätter von den Bäumen gefallen sind, veranlasst uns, über unsere Endlichkeit nachzudenken.
Ich denke, dass Martin Luther seine Thesen bewusst in dieser Jahreszeit, am 31. Oktober angeschlagen hat, um den Ablasshandel zu kritisieren und zur Buße aufzurufen. Die erste These sagt aus, dass das ganze Leben Buße sein soll.
Im Mittelpunkt des vorletzten Sonntages steht das Gleichnis vom Weltgericht (Matthäus 25, 31-46). Es macht uns Angst, entweder zu den Schafen (Himmelreich) oder zu den Böcken (ewiges Feuer) geschieden zu werden. Jesu Wort aber gibt Zuversicht: „Was ihr meinem geringsten Bruder getan habt, habt ihr mir getan.“ (Vers 40)
An diesem Sonntag, dem Volkstrauertag, wird mit einem Aufruf zur Versöhnung der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Der letzte Sonntag, im Kirchenjahr, der Ewigkeitssonntag ist dem Gedenken Verstorbener im Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit gewidmet.

 

Rückblick
Die noch nicht durchgestandene Coronakrise hat das Jahr geprägt. Sie scheint uns als ein Zeichen, eine Prüfung Gottes, einem Wink, im Tempo des stetigen Wachstums einzuhalten. Der Mensch als „Krone“ der Schöpfung Gottes ist im Begriff, seine Lebensgrundlagen zu zerstören.

 

Dankbarkeit
Seid allzeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn es ist der Wille Gottes in Jesus Christus für euch. (1. Tess 5, 16 – 18)
Wir haben trotz der Krise allen Grund, dankbar zu sein. Wir dürfen in Frieden und Freiheit leben, haben Grundrechte wie Meinungs- und Gewissensfreiheit, größeren Wohlstand als die meisten Menschen auf der Welt, auch wenn es für manche in der Krise um ihre Existenz geht.
Ich habe manchmal den Eindruck, dass diese, von Gott gegebenen Geschenke, quasi selbstverständlich sind.
Ganz und gar nicht, meine ich. Es gilt nach Matthäus 25 in dem Gebot der Nächstenliebe für den anderen, auch für verfolgte Menschen einzustehen.
Allen einen besinnlichen Ausklang des Kirchenjahres.

 

Karlheinz Gräwe